Institut für Allgemeine Sprachwissenschaft
Jan Wohlgemuth, M.A.
Proseminar "Schwere Sprachen - leichte Sprachen: grammatische
Kategorien und ihre Ausprägungen in den Sprachen der Welt" (WiSe
2003/04)
Veranstaltungsnummer: 098029
Studienelemente: (3,67) (Grammatik,
Sprachtypologie)
Wann/Wo: Do. 14-16, Seminarraum des IfAS
Beginn: 16.10.2003
Die Klausuren sind durchgesehen und können ab dem 9.
Februar im Sekretariat abgeholt werden.
Die Hausarbeiten, die bis zum 8.4. eingereicht worden sind, können ab
dem 15.4. im Sekretariat abgeholt werden.
- Teilnahmevoraussetzungen: Bereitschaft zu aktiver
Mitarbeit (u.U. Lektüre, Hausaufgaben), Interesse
- Teilnahmenachweis: Kurzreferat von 12-15 Minuten
oder entsprechender Anteil an einer Gruppenarbeit
- Leistungsnachweis: Vollreferat (min. 30, max. 45
Minuten; Gruppenreferate entsprechend länger) plus Hausarbeit
(3000 bis 4000 Wörter; ca. 12-15 Seiten), Abgabe bis zum 31.03.2004
- Studienbegleitende Fachprüfung (Zwischenprüfungsschein
Nebenfach): Vollreferat (min. 35, max. 50 Minuten; kein
Gruppenreferat!) plus Hausarbeit (4000 bis 5000 Wörter; ca.
16-19 Seiten), Abgabe bis zum 31.03.2004
- Vorbehalt: Sollten zu viele Seminarteilnehmer einen
TN/LN anstreben, wird eine Klausur angeboten. (TN = Teilnahme an der
Klausur; LN = Bestehen der Klausur o.ä.; Absprache in der ersten
Sitzung)
Kommentar
Die Frage, ob eine bestimmte Sprache mehr oder weniger schwer (zu
erlernen) sei, ist nicht nur vom Lerner abhängig, sondern auch von
diversen Faktoren in der Sprache selbst. Zu viele, zu wenige oder auch
nur „die falschen“ grammatischen Kategorien können es einem erschweren,
sich wirklich in die Funktionsweise einer fremden Sprache
hineinzudenken. - Dies tun zu können ist aber Handwerkszeug des
Sprachwissenschaftlers. Gegenstand des Seminars soll also sein, sich
einerseits mit dem unterschiedlichen Grad an Komplexität verschiedener
Sprachen auseinander zu setzen, andererseits sich einen Überblick über
die Vielfalt grammatischer Kategorien und ihrer Ausprägungen in den
Sprachen der Welt zu verschaffen. Dabei sollen sowohl die vermeintlich
„gängigen“ Kategorien und Begriffe wie NUMERUS, GENUS, KASUS oder
TEMPUS einem kritischen (sprachvergleichenden) Blick unterzogen werden,
als auch eher „exotisch“ anmutende Phänomene wie EVIDENTIALITÄT, FOKUS
oder ERGATIVITÄT usw. vorgestellt und „entmystifiziert“ werden.
Der Erwerb eines Seminarscheins setzt ein Referat und eine schriftliche
Hausarbeit voraus. Themen hierfür können ab sofort in der Sprechstunde
oder per E-Mail <wohlgemuth@uni-muenster.de>,
müsen spätestens aber in der ersten Seminarsitzung vereinbart
werden.
Themenvorschläge für Referate bzw. Hausarbeiten
Die Reihenfolge in dieser Liste ist nicht die Reihenfolge
der Themen im Seminar. Andere Themen können und sollen bei Interesse
gern vorgeschlagen und (sofern passend) übernommen werden.
(*) nur als Kurzreferat; (#) besonders für ZP-Schein geeignet.
- Kategorie vs. Ausprägung, Typ vs. Token
(*)
- Die verschiedenen Sprachbautypen (entweder als Vollreferat oder
aufgeteilt: )
- Die verschiedenen Sprachbautypen 1 – Agglutinierende
Sprachen (*)
- Die verschiedenen Sprachbautypen 2 – Flektierende Sprachen
(*)
- Die verschiedenen Sprachbautypen 3 – Inkorporierende
(polysynthetische) Sprachen (*)
- Die verschiedenen Sprachbautypen 4 – Isolierende Sprachen
(*)
- Numerus: Singular, Plural, und was noch? (*)
- Gibt es eine vierte Person?
- Was sind Kasus eigentlich? (*)
- Kasussysteme von Einzelsprachen (siehe unten)
- Was ist eigentlich (ein) Tempus?
- Tempussysteme von Einzelsprachen (siehe unten)
- Komparation (*)
- Evidentialität und „Data source marking“ (#)
- Modus
- Ergativität
- Aspekt und Aktionsart bereits vergeben
- Der verbale Aspekt in den slavischen Sprachen bereits vergeben
- Benefaktiv, Kausativ, Faktitiv und andere
- Fokus
- Aktiv - Passiv - Medium (Genus Verbi)
- grammatikalisierte Topic-Comment-Strukturen (Japanisch, Tagalog
etc.)
- das Problem der Wortarten(einteilung) (#)
- Arten der Ausprägung von grammatischen Kategorien (*)
- Universelle grammatische Kategorien? bereits
vergeben
- Grammatische Kategorien als Grundlagen zur Typologisierung von
Sprachen (#) bereits vergeben
- "schwierig" – eine Frage der Perspektive (#)
- (Wozu) Sind grammatische Kategorien überhaupt notwendig? (#)
- Phonologisch-phonetische Komplexität bereits
vergeben
- "Schwierigkeiten" im Bereich Semantik
- Höflichkeits- und "Schwiegermutter"-Sprachen bereits vergeben
- Orthographische Komplexität
- Komplexität im Sprachwandel (werden Sprachen immer einfacher?)
(#) bereits vergeben
Mögliche Beispielsprachen oder Sprachen für
Einzelsprachportraits:
- Altgriechisch (vs. Neugriechisch)
- Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Neuhochdeutsch im Vergleich
- Aymará (insbes. Tempus und Evidentialität)
- Amharisch
- Baskisch
- Chinesisch (insbes. Syntax, Phonologie)
- Finnisch und/oder Ungarisch (insbes. Kasus)
- Georgisch (insbes. Kasus und Tempus, Phonologie)
- Hawaiianisch und/oder Samoanisch ("Einfachheit")
- Indonesisch (insbes. Wortartenproblematik, Zähleinheitswörter,
Pronominalsystem)
- Inuktitut (insbes. Inkorporation/Morphosyntax, Deixis)
- Japanisch (insbes. Höflichkeitsstufen, Topic-Comment-Struktur,
Graphie)
- Javanisch (insbes. Höflichkeitsstufen)
- Lettisch und/oder Litauisch (insbes. Kasus/Numerus)
- Laotisch, Thai und Vietnamesisch (insbes. Phonologie und
Graphie)
- Kinyarwanda und/oder Maasai (insbes. Verbalmorphologie)
- Malgasy (insbes. Syntax, Numeralia)
- Menomini und/oder Navajo (Flexionsmorphologie) (#)
- Norwegisch und Latein: Kontrastive Grammatik bereits vergeben
- Russisch und/oder Ukrainisch (insbes. Kasus und Tempus)
- Sanskrit (insbes. Kategorienvielfalt)
- Quechua (insbes. Morphologie)
- Ungarisch (insbes. Flexionsmorphologie)
- Tariana (insbes. Evidentialität)
- Tagalog (insbes. Wortartenproblematik und Fokus)
- Tok Pisin
- Türkisch (insbes. Flexionsmorphologie)
- Yidiny und/oder Dyirbal (insbes. Elliptizität,
Schwiegermuttersprachen)
- Walisisch (insbes. Phonologie, Syntax, Numeralia)
- !Xung oder eine verwandte Sprache (Phonologie,
Flexionsmorphologie, Kategorien) (#)
Seminarplan
vorläufiger Plan
| # |
Datum |
gepl. Thema / Inhalte |
| 1 |
16.10. |
Präliminarien, Themenabsprache, Grundbegriffe; Einführung |
| 2 |
23.10. |
Besprechung Leseaufgabe 1; Glossierungen |
| 3 |
30.10. |
Besprechung Übungsaufgabe; "Primitive Sprachen" |
| 4 |
06.11. |
Grammatikalisierung, (Leseaufgabe 2) |
| 5 |
13.11. |
Sprachtypologie |
| 6 |
20.11. |
Sitzung entfällt wg. StuTS |
| 7 |
27.11. |
Vergleich: Norwegisch-Latein | Besprechung Leseaufgaben |
| 8 |
04.12. |
Universelle grammatische Kategorien? | Case Alignment
Typology I |
| 9 |
11.12. |
Gramm. Kat. und Sprachtypologie | Case Alignment Typology II |
| 10 |
18.12. |
Aspekt und Aktionsart | Fokus |
| 11 |
08.01. |
Evidentialität | Modus |
| 12 |
15.01. |
Tempus |
| 13 |
22.01. |
Reference Tracking |
| 14 |
29.01. |
Entstehung von Kategorien/Grammatikalisierung |
| 15 |
05.02. |
Klausur |
Die Sitzung vom 20.11. fällt aus. Ersatzweise werden dann die
Sitzungen im November / Dezember jeweils von 14.15 bis 16.00 Uhr gehen.
- Absprache in der ersten Sitzung.
Stichtag Hausarbeiten: 31.03.2004
Literaturhinweise und Leseaufgaben
- COMRIE, Bernard (Hrsg.): Classification of grammatical
categories. Urbana et al.: Linguistic research, 1979. (= Current
inquiry into language and linguistics; 21) (= Slavic series; 6).
- GIL, David: Escaping Eurocentrism: fieldwork as a process of
unlearning. In: Newman, Paul / Ratliff, Martha (Hrsgg.): Linguistic
Fieldwork. Cambridge et al.: University Press, 2001. S. 102-132.
- BAUER, Laurie / TRUDGILL, Peter (Hrsgg).: Language Myths.
London: Penguin Books, 1999.
Leseaufgaben
- Der Aufsatz von D. Gil (s. oben) ist obligatorische
Leseaufgabe bis spätestens zur zweiten Sitzung (23.10.). Das Buch
ist in der ULB und im Seminarapparat (im IfAS) verfügbar, kopieren Sie
sich bitte den Aufsatz.
- Der Aufsatz "Aboriginals speak primitive languages" von
Nicholas EVANS (in: Bauer/Trudgill, s. oben) ist Leseaufgabe zur
dritten Sitzung (30.10.). Im Seminarordner befindet sich eine
Kopiervorlage.
- Die Aufsätze von J. McWorther und C. Hagége zur Diskussion um
Kreolsprachen in: Linguistic Typology 5.2 (2001), S. 125-175. (Weitere
Lektüre der folgenden Diskussion ist fakultativ). Obligatorisch bis zur
5. Sitzung.
Weitere Titel folgen / werden im Seminar bekannt gegeben. Es wurde
zum Semesterbeginn in der Bibliothek des IfAS ein Seminarordner bzw.
-apparat eingerichtet.
Downloads
- Leipzig
Glossing Rules (neu, Januar 2004)
- Knobelaufgabe
- Übungsaufgabe:
Glossierungen
- Handout:
Case Alignment Typology
Stand: 08.02.2004